Der Investor Warren Buffett bezeichnete sie als "Massenvernichtungswaffen" der Finanzmärkte: Die Rede ist von Derivaten, also außerbörslich gehandelten Finanzkontrakten. Ein Artikel aus der Financial Times Deutschland (FTD) vom 18.05.09 macht deutlich, um welche Dimensionen es geht. Dagegen nehmen sich die bisherigen hunderte von Milliarden "Rettungsschirme" und Staatsgarantien geradezu wie "Peanuts" aus.
Demnach ist das Derivaterisiko für Banken weltweit im zweiten Halbjahr 2008 deutlich gestiegen.. Die entstandene Ausfallgefahr ("Gross Credit Exposure") stieg um knapp 30 Prozent auf 5000 Mrd. $, teilte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Montagabend in einer Studie mit. Gleichzeitig verteilt sich das Risiko auf weniger Banken. "Die Konzentration stieg leicht in allen Märkten", hieß es in dem Bericht, so die FTD.
"Das Ergebnis der Analyse überrascht. Im Zuge der Kreditkrise schraubten die Banken ihr Engagement bei Derivaten zurück, um das Kontrahentenrisiko zu verringern. Auslöser dafür war der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Die Studie zeigt jetzt aber, dass aufgrund großer Preisbewegungen das tatsächliche Risiko - gemessen am Bruttowert der Kontrakte, der letztlich die Forderungen an eine Gegenpartei beziffert - für die Finanzinstitute stieg".Dabei ist noch nicht einmal klar, wie sich der Markt seit Januar 2009 entwickelte, so die FTD weiter.
"Das Bruttovolumen an ausstehenden Derivatepositionen ging im zweiten Halbjahr 2008 zum ersten Mal seit Beginn der Datenaufzeichnung 1998 zurück. Konkret schrumpfte das Volumen um 13,4 Prozent auf 592.000 Mrd. $."
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Hier ist die Rede von einem "geschrumpften Volumen", das auch geschrumpft immer noch bei fast 600 Billionen Dollar liegt! Oder anders ausgedrückt: 600.000.000.000.000 $. Wem bei soviel Nullen schwindelig wird: diese Summe entspricht ungefähr dem zehnfachen der weltweiten Jahresproduktion an Waren und Dienstleistungen. D.h. man könnte jegliche Wirtschaftstätigkeit auf der Erde zehn Jahre lang auf einen Ertrag von Null setzen, um diese unglaubliche Summe an Forderungen zu tilgen.
"Dass das Risiko trotz der geringeren Volumina stieg, dürfte einige Marktteilnehmer beunruhigen. Besonders Kreditderivate werden als gefährlich angesehen. (...). Ereignisse wie der Lehman-Kollaps hätten gezeigt, wie anfällig der Markt für die Schocks ist, die entstehen, wenn ein wichtiger Akteur ausfällt, argumentieren sie und sprechen sich für eine scharfe Regulierung aus.", berichtet die Financial Times. Das Volumen der Kreditderivate betrug im 2. Halbjahr 2008 rd. 41.900 Milliarden Dollar.
Selbst wenn nur die oben bezifferten 5000 Milliarden Dollar ausfallen (was angesichts zunehmender Unternehmenspleiten, wachsender Konsumentenarbeitslosigkeit und damit wachsender Kreditausfallwahrschenilichkeiten sicher noch optimistisch ist), so entspricht dies mehr als dem doppelten der bundesrepublikanischen Wirtschaftsleistung eines Jahres. Die Krise ist noch lange nicht vorbei. Alles andere ist Augenwäscherei.
Financial Times Deutschland, 18.05.09,
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